Industrie Str. 15
18069 Rostock

Tel: 0381 12 83 09 63
Mobil: 0172 74 79 046
Fax: 0381 12 83 09 65

Streichinstrumente

1. Worauf muss ich beim Kauf eines Streichinstruments achten?

W- Fragen stellen: WER bin ich als Bratscher? WIE gut, WO, WIE OFT spiele ich, WAS will ich erreichen, und leider immer öfter: WIEVIEL kann ich mir leisten? Nicht zuviel völlig außerhalb der eigenen Preisklassen (s.u.) suchen.


Persönliche Beziehung: Egal, wie teuer oder billig: Das Instrument muß mich ansprechen, „ansummen". Ich muß es mögen, sonst werden niemals gute Musik und glückliche Stunden aus der Kombination von Spieler und Instrument entstehen.


Wenn irgend möglich, einen auch im Geigenbau sachkundigen Menschen zu Rate ziehen, der nicht direkt in den Kauf involviert ist bzw. kein eigenes Verkaufs-Interesse hat! (Lehrer, Kollegen und Geigenbauer können diese Vorraussetzung erfüllen, wollen manchmal aber auch lieber ihre eigenen Instrumente verkaufen)


Besonders bei alten Instrumenten: Gründlich auf Risse prüfen bzw. prüfen lassen. Risse sind immer wertmindernd (falls nicht gut repariert). Ein Stimmriß oder Baßbalkenriß in Decke oder Boden reduziert den Wert des Instruments um mindestens 30%. Sind alle Teile original (Schnecke, Hals, Decke u. Boden)? Ist der Hals gerade und nicht zu unangenehm breit? Wie ist der spieltechnische Zustand? Oft zieht ein vermeintliches Schnäppchen (übrigens manchmal auch bei Direkt-Import-Neu- Ware) erst einmal eine teure Reparatur nach sich. Allein einen unbrauchbaren Steg durch einen guten, neu angepassten zu ersetzen kostet den Geigenbauer eine Stunde Arbeit und Sie ca. 60-80 €.


Probespielen wenn möglich in mehreren verschieden großen Räumen (wenn's ein Solo- oder Probespiel-Instrument sein soll, in jedem Fall auch im Saal). Das Instrument klingt am Ohr oft anders als im Raum.


Vorsicht vor „günstigen Gelegenheiten" von Amateur-Händlern, die nicht bereit sind, Ihnen das (von Ihnen für ein paar Tage versicherte) Instrument zum Testen und zum Einholen einer unabhängigen Begutachtung zu überlassen, und auf Barzahlung ohne Quittung bestehen. Es werden immer wieder gestohlene Instrumente angeboten. Auch wenn die Ware „sauber" ist: Sie haben dort nicht die gesetzliche Gewährleistung, die Ihnen ein Musikladen (auch violashop) oder ein Geigenbauer bietet.


Zum Thema ebay und anderen Schnäppchen gibt es eine lange Forumsdiskussion, lesen Sie selbst.


Zum Thema Instrument „mit gutem Ton" ein Zitat (aus John Huber: „Geigen", S.111), das sicher auch für Bratschen und Celli gilt:

„Eine Qualitätsgeige ist für die Erzeugung eines guten Tones unerlässlich, sie ist jedoch keinesfalls Ersatz für spielerisches Können...oft ist ein guter Lehrer eine bessere Investition als eine gute Geige, wenn es darum geht, den Geigenton zu verbessern"


2. Welche Größe ist für eine Bratsche richtig?

Es gibt nicht „die" richtige Größe. Alltagstaugliche 4/4 Bratschen reichen von etwa 39 bis ca 42,5 cm Korpuslänge (gemessen ab Zargenrand bis zum Halsklotz, am besten auf der Unterseite mit flexiblem Maßband). Tendenziell werden in den USA gerne große Bratschen gespielt („groß klingt groß", am besten 44cm) , in Europa hat sich vielerorts die Erkenntnis durchgesetzt, daß ein qualitativ sehr gutes, kleineres Instrument, das eben noch gut und leicht virtuos zu handhaben ist, oft die bessere Wahl für gute musikalische Ergebnisse ist. Abhängig ist dies immer auch von den Proportionen des Spielers.


Test für Menschen mit Vorkenntnissen: Es sollte ohne Streß in der linken Hand möglich sein, Doppelgriffe (Terztriller, Oktaven...) zu spielen. Die immer mit Spannung verbundene äußerste Streckhaltung links (drei Ganztöne auf der C-Saite -Des-Es-F-G) muß noch möglich sein. Bei Schmerzen nach ca. 1⁄2 Stunde spielen: Finger weg vom Instrument! (oder mit gutem Lehrer -siehe dort- Technik ändern...). Beim Kauf auch auf das Gewicht achten!


Das Problem der Größe ist von einigen Geigenbauern kreativ durch Bau von asymmetrischen Bratschen oder solchen mit extrabreiten Unterbügeln angegangen worden.


Größenbestimmung für Kinder: Bei ausgestrecktem linken Arm muß die Schnecke leicht umfasst werden können (gilt auch für Kindergeigen). Kinderbratschen sind selten, (Forumsbeitrag HIER) meistens werden 1⁄2, 3⁄4 oder ganze Geigen mit Bratschensaiten bespannt. Im Violashop werden kleine Violen mit speziell erhöhten Zargen aus asiatischer und deutscher Produktion angeboten, ab 11'' Zoll (entspr: 1⁄2 Geige), bitte erfragen.


3. Sind alte Geigen/Bratschen wirklich besser als neue?

Der sogenannte „alte" Klang bei schönen Meisterinstrumenten (in Verbindung mit altem Holz, antikem Aussehen) hat schon etwas Besonderes. Allerdings haben vielfache Versuche (auch „Doppel-Blind-Versuche" hinter Vorhängen) ergeben, daß ein objektiv hörbarer Klangunterschied eher bei den Spielern als bei den Instrumenten wahrzunehmen ist.


Die Grund-Entscheidung hat eher etwas mit persönlichen Präferenzen und dem eigenen Etat zu tun. Es gibt sowohl bei alten wie bei neuen, bei italienischen und nichtitalienischen gute und weniger gutgebaute und -klingende Exemplare. Alte Instrumente bedürfen bei der Begutachtung eines weit höheren Sachverstandes (s.o.), eine Bestätigung eines Geigenbauers, das Instrument sei soundsoviel wert, hilft zwar ein wenig, ist aber keine Garantie dafür, daß man im Notfall das Instrument auch wieder für den selben Preis los wird.


Im höheren Preissegment, wenn die Instrumente auch als Wertanlage gekauft werden, geht nichts ohne ein schriftliches Gutachten eines wirklich anerkannten Experten, in dem z.B. auch verzeichnet ist, daß alle Teile des Instruments(von Schnecke bis..) zweifelsfrei dem genannten Meister zuzuordnen sind. Siehe nächstes Thema:

4. Ich habe ein Instrument mit dem Zettel Stradivari. Bin ich jetzt reich?

Tut uns leid, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit: Nein.


Gefälschte Zettel dieser in der Tat bedeutenden Meister sind sehr beliebt zur Verkaufsförderung für minderwertige Fabrikinstrumente zweifelhafter Herkunft, gerade „Stradivari" und „Stainer" kommen sehr häufig vor. Glück hat man, wenn das Instrument immerhin spielbar ist (bei „Stainer" ist häufig die Wölbung so hoch, daß die Geige kaum noch klingt), aber mehr sollte man von seinem Fund wirklich nicht erwarten. Die wenigen echten Instrumente sind alle bekannt, katalogisiert, in Museen und in Sammler- oder Solistenhand. Wenn gelegentlich mal eines zum Verkauf kommt, dann bei einem Auktionshaus wie Sothebys und nicht bei ebay. Übrigens:


Der Spitzenpreis für eine Stradivari betrug 1998 2,2 Millionen DM, der Kauf musste zurück abgewickelt werden, weil auch diese gefälscht war.



5. Was kostet eigentlich eine Bratsche?
EinsatzbereichAltNeu-Direktimport Neu (Geigenbau, deutsch)Kommentar
Unbrauchbar Flohmarkt, eBay ab ca. ¤ 50,-unterste Qualität ab ca. ¤ 69,- nicht verfügbar Hände weg! Großes Risiko!
Schüler/Einsteiger (meist Geigenbauerhilfe nötig wegen Steg, Wirbel, bei alten Instrumenten Risse)Gebrauchtmarkt und s.o. ab ca. ¤ 150-1.000,-bessere Verarb./kein Setup ab ¤ 199-399,-nicht verfügbarRisiko, weil oft nicht spielfertig
Schüler/Einsteiger (Geigenbauer-Setup, gute Saiten)s.o. und freier Handel ab ca. ¤ 1.000-1.500,-gute Hözer, mit Setup ¤ 490-890,-nicht verfügbar (wenn, dann meist doch Asien)solide Einsteigerqualität
Mittelstufes.o. und Geigenbauer ab ca. ¤ 2.000-5.000,-¤ 990-1.500,- Geigenbauer-Neubau (Geselle) ab ¤ 4.800,-gute Qualität
Musikstudenten, ambitionierte Amateures.o., Fachzeitschriften ab ca. ¤ 5.000-15.000,-bis ca. ¤ 2.500,- Geigenbauer-Neubau (Meister) ab ¤ 6.000-15.000,-sehr gute Qualität
Orchestermusiker, Solistenab ¤ 15.000-50.000,-nicht verfügbar ¤ 9.000-15.000,-Spitzenqualität
Sonderklasse, Antiquitätenab ¤ 50.000,-; nach oben offennicht verfügbarnicht verfügbar